Montag, 27. April 2020

Warum ich "Drachendunkel" von Eyrisha Summers abgebrochen habe...



Titel: Drachendunkel - Die Legende von Illestia
Reihe: /
Autor: Eyrisha Summers
Verlag: Heyne
Seiten: 368
Preis: 14,00 €
Format: Softcover
(5. März 2020)









"Der Mann will dich lieben, doch der Drache will dein Blut."



Ihr könnt euch vorstellen wie mein dramaliebendes Herz geklopft hat bei diesem Satz. Ein mysteriöser Fremder, der sich als Drache samt Schloss herausstellt und Ella zwingt in seinem Schloss zu leben, damit er ihr Dorf – und ihre Familie – vor Hunger und Kälte rettet.


Die Schöne und das Biest Stockholm Geschichten dieser Welt sind nicht für jeden was, aber ich liebe – wie viele andere – sogar Kresley Cole's uralten Vampirschurken Lothaire, also habe ich mich sehr auf dieses Buch gefreut.


Was jetzt folgt ist keine Rezension des gesamten Buches. Ich habe es auf Seite 79 abgebrochen und ein paar von euch wollten wissen wieso. Hier ist warum:


Wie schon erwähnt, habe ich mich auf einen düsteren, fiesen Entführer gefreut, der erst im Laufe der Zeit seine dunkle Seite überwindet, ihr kennt das ja. Davon wie toxisch das in der realen Welt ist, hier auch mal abgesehen, denn nicht jeder Protagonist fängt als toller Kerl an.


Genau das, ist das Problem.


Razul denkt er ist der gute Kerl. Und versucht …sich so zu verhalten? Er rechtfertigt seine Erpressung durch seine noblen Gründe, die aber gar nicht so nobel und gar nicht so verständlich sind.


Es folgen ein paar Spoiler für die ersten 79 Seiten von "Drachendunkel", fühlt euch gewarnt.


Das Buch fängt lehrbuchmäßig an.


Das erste Kapitel zeigt uns die Drachen in einem epischen Kampf. Razul und sein Problem, das durch den Kampf entsteht ebenso und dann geht es weiter mit dem nächsten Kapitel, das uns Ella und ihre Umstände näherbringt. Es zeigt uns ihren Charakter in einer spannenden Situation. Razul taucht als mysteriöser Kerl im Wald auf. Sehr cool! Der Funke springt noch nicht wirklich bei mir über, aber okay. Kann passieren.


Aber Razul … Mit ihm kam ich echt nicht klar. Er nimmt direkt der Szene jede Spannung, in dem er sagt, er will ihr nichts Böses, benimmt sich gleichzeitig auf unangenehme Weise leicht herablassend und entwickelt dann halbherzig eine Faszination für Ella, die mir vorkam wie: "Joah, ich brauche eine Frau um meinen Fluch zu lösen und die ist doch ganz nett. Warum nicht?" So kam es im Subtext zumindest bei mir an.


Sehr unangenehm.


Es gibt Geschichten, bei denen muss es schnell gehen. Da gibt es keine Zeit, dass beide sich lang verlieben können. Eine Seite muss sofort stark, sehr stark, angefixt sein. In solchen Fällen finde ich es gut, wenn man auf sowas zurückgreift wie Schicksalsgefährten oder animalische Triebe. Das ist eine gegebene Tatsache, die man mir mit wenig Worten schnell verständlich machen kann.


Es kommen ein paar recht spannende Szenen. Razul taucht wieder auf. Verhält sich wieder herablassend und stellt dem Dorf schlussendlich – nicht persönlich, sondern über den Ratssprecher oder so – das Ultimatum Ella rauszurücken oder er gibt ihnen weder Wärme noch Essen. Zwei Dinge, die sie dringend brauchen. Ella beugt sich dem verständlicherweise.


Aber, und das hat mich wirklich wahnsinnig gemacht, dann erfährt man durch seine Sicht, dass er ihnen das Essen und die Wärme auch so gegeben hätte, weil er ja so ein guter Kerl ist. Was die anderen aber nicht wissen können.


Es tut mir wirklich leid, aber sein konstantes Rechtfertigen war das Schlimmste. Ich finde es wirklich schade, dass das Buch mir nicht gefallen hat. Aber wenn man eine Geschichte schreibt, in der man einen erpresserischen Drachen als Protagonisten hat, dann muss der nicht von Anfang an ein netter Typ  mit noblen Beweggründen sein. Das kommt nämlich nicht sympathisch an, sondern als würde dieses Arschloch sein arschiges Verhalten dauern rechtfertigen, was ihn zum mega Arschloch macht.


Zur Erklärung: Ich habe es Lothaire ("Lothaire" von Kresley Cole) verziehen, dass er Ellie (witziger Zufall) im Todestrakt hat sitzen lassen, weil es praktischer für ihn war, und sie das halbe Buch schlecht behandelt hat, weil er so fixiert auf seine Ziele war und eine Vorgeschichte mit Menschen ganz generell. Weil er nie so getan hat, als wäre er ein guter Typ. Er wusste, dass er das nicht ist. Es war ihm auch egal. Als Leserin kannte ich seine Geschichte und konnte nachvollziehen (nicht rechtfertigen! Haltet euch von toxischen Menschen fern!) warum er mit seinem Weltbild so gehandelt hat.


Razul … benimmt sich wie ein Arschloch, findet aber, dass er ein echt netter Typ ist. Das hat für mich nicht gepasst. Wenn du für die Geschichte anfangs ein Arsch sein musst, Razul, dann sei ein Arsch! Du hast Zeit dich zu entwickeln! Jeder ist mal ein Arsch.


Die Spannung, neben meiner Sympathie für den männlichen Protagonisten, wurde leider auch direkt am Anfang gebrochen. Jede Frage, die ich mir als Leser gestellt habe, wurde fast im nächsten Moment direkt gelöst.


Der schlimmste Fauxpas, den ich bisher in Sachen Spannung gelesen habe, war einfach, als Razul mir direkt gesagt hat, was er tun müsste, damit all seine Probleme gelöst wären. 


Tja, damit war mir klar, was am Ende passieren würde, wenn er und Ella ihre Liebe füreinander gefunden haben, was er ja quasi schon hat. Selbst wenn das, was in wenigen Sätzen auf Seite 44 gesagt wird, nicht am Ende passiert: Ich gehe davon aus, dass es passiert, habe keine ungelösten Fragen mehr in meinem Kopf und keine Motivation weiter zu lesen.
Am Anfang will ich Probleme und Hürden, keine Lösungen.  


Zudem hängt er seiner Zusammenfassung noch ein subtextliches "Ach kann ich eh nicht ändern, nicht mein Problem. Kann nur hoffen, dass meine noch immer kämpfenden Brüder den Feind besiegen, während ich mich mal dem netten Mädchen widme" an.


Nein, das steht so nicht da und ist kein wörtliches Zitat. So kam es nur leider bei mir an. Dezent unsympathisch. 


Ich habe gelesen, bis an den Punkt, an dem sie in sein Schloss kommt. Alles nach Seite 79 kann ich nicht beurteilen. Aber auch hier, zerstört er jede Spannung. Sie fragt ihn was das Ganze solle, man freut sich auf einen Konflikt. Was tut er? Er schmettert sie liebevoll abwertend ab und sagt er kann jetzt nicht, sie muss schnell (im Keller) zu ihrer Sicherheit eingesperrt werden.




Jaaaaa.
Er bevormundet sie etwas zu viel für meinen Geschmack und ich kann nicht verstehen, woher der Funke bei ihr kommt, den sie empfindet.




Ellas Charakter schätze ich bis hierhin eigentlich so ein, dass sie sich lieber deiner Drachenform stellen würde, als von deinem selbstverliebten, egozentrierten Menschen Ich eingesperrt zu werden.



Zusammenfassung


Mir haben einfach ein paar kleine, liebenswerte Eigenschaften an Razul gefehlt (Tierlieb, liebt seine Familie über alles, keine Ahnung) und eine Frage, die mir das Buch beantworten sollte. Spannung. Auf jeden Fall Spannung.


Deshalb breche ich an dieser Stelle das Lesen leider ab. Meine Zeit ist - trotz Corona - knapp bemessen und ich will mich nicht durch ein Buch quälen, nur um am Ende eine schlechte Rezension zu schreiben. Ich denke für die, die es von euch interessiert hat, ist das hier ein guter Kompromiss. 


Was aber dazu gesagt werden muss: Der Schreibstil, besonders für High Fantasy, war top! Wirklich toll. Man kann es sich alles so gut vorstellen, fühlt sich in einer fremden Welt… Der hat mir sehr gefallen. Auch Ellas Charakter ist vielversprechend.


Razul und die fehlende Spannung waren leider ein zu großes Problem für mich.



Ich hoffe trotzdem, dass das Buch da draußen, wie jedes andere Buch auch, seine Leser findet und jemand anderen begeistern konnte. 



Viele Liebe Grüße
eure Chiara 😉💗

1 Kommentar:

  1. Uff.. das klingt ja sehr anstrengend. ich versteh dich, wieso du es abgebrochen hast... als ich den einen Satz gerade gelesen habe, ging es mir wie dir und es klang echt toll!

    Liebe Grüße


    Alisia

    alisiaswonderworldofbooks.de

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